Ein klar strukturiertes Vorgehen kann die Qualität klinischer Übergaben und die Patientensicherheit nachhaltig verbessern. Das zeigt eine aktuelle Publikation im Deutschen Ärzteblatt, die auf eine Studie des Royal College of Surgeons in Ireland verweist.
Die Forschenden überprüften das sogenannte SIPS-System („sickest patients first; introduction, situation, background, assessment, recommendation; prioritize; summarize“) im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie zwischen Januar 2023 und Juni 2024. Eingeschlossen waren 182 Ärztinnen und Ärzte, die an 126 chirurgischen Übergabebesprechungen in zwei Kliniken teilnahmen. Insgesamt wurden 2.261 Patientinnen und Patienten mit notfallmäßigen allgemein-chirurgischen Eingriffen untersucht – 1.469 vor und 792 nach Einführung des Systems.
Das Ergebnis: Nach der Implementierung von SIPS stieg der Anteil der Patientinnen und Patienten mit stabilen Vitalparametern nach 12 Stunden von 16,8 % auf 21,5 % und nach 24 Stunden von 20,0 % auf 26,8 %. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl übergabebezogener Patientensicherheitsvorfälle deutlich – von 19,7 % auf 4,6 % der erfassten Tage. Die wahrgenommene Qualität der Übergaben verbesserte sich aus Sicht des Personals ebenfalls, ohne dass sich die Dauer der Besprechungen verlängerte.
Das SIPS-System definiert damit einen klar strukturierten, vierstufigen Prozess:
- Identifikation der kritischsten Patientinnen und Patienten,
- strukturierte Fallvorstellung nach dem ISBAR-Schema,
- Priorisierung wichtiger Aufgaben für die folgende Schicht,
- Zusammenfassung durch das übernehmende Team.
Die Studie verdeutlicht, dass standardisierte Übergabeprozesse Kommunikationsfehler reduzieren, klinische Stabilität fördern und die Sicherheitskultur stärken können.
Für das Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen bedeutet dies, dass strukturierte, evidenzbasierte Übergabesysteme wie SIPS einen zentralen Beitrag zur Patientensicherheit leisten und als verbindlicher Bestandteil in klinische Qualitätsmanagementsysteme integriert werden sollten. Für mehr Qualität, höhere Effizienz und echtes Patientenwohl.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, „Systematisches Vorgehen kann Qualität und Sicherheit bei klinischen Übergaben erhöhen“, 2025.







